zum 1. Sonntag nach Epiphanias 2021.

Ich habe lange herum überlegt, wie ich den Predigttext, den ich gleich auch vorlesen werde, predigen soll. Es ist auch vom Kirchenjahr her überhaupt nicht eindeutig, wie das alles zusammenpasst. Denn: das eigentliche Thema für den 1. Sonntag nach Epiphanias ist die Taufe Jesu. Das haben Sie im Evangelium gehört, einen Anklang haben wir im Kollektengebet gebetet. Der Predigttext geht aber in eine völlig andere Richtung, denn dort geht es um eine etwas andere Sicht auf Gottes-Dienst, also wie man Gott dienen soll und um die verschiedenen Gaben einzelner Menschen und wie diese in der Gemeinde eingebracht werden sollen, wer genau was tun soll und so weiter.

Also, Taufe Jesu auf der einen Seite — und Gnadengaben, Charismen, Begabungen als Opfer-Dienst für Gott auf der anderen Seite.

Fangen wir mit letzterem an, denn ich habe da sofort an mich selbst gedacht. Sie wissen es ja vielleicht noch, ich habe Theologie studiert und wollte einmal Pfarrer werden. Diese Entscheidung damals 2011/2012 war schwierig für mich. Ob ich denn ein guter Pfarrer sein würde? Ob ich denn dem Studium gewachsen wäre? Damals war ich in der Ausbildung zum Krankenpfleger und hatte überlegt, ob ich diese abbrechen soll. Ich habe mit Herrn Metzger gesprochen, hatte Gespräche mit der Landeskirche, viel gebetet und um Gottes Hilfe gebeten. Und – und das würde ich heute immer wieder so bestätigen! – ich habe von Gott die Zusage bekommen, dass ich es versuchen soll. Damit war für mich die Frage der Berufung geklärt, ich hatte meine Ausbildung abgebrochen und mich für’s Studium eingeschrieben.

Mein Studium hat mir großen Spaß gemacht, macht die Theologie noch immer! Das einzig „anstrengende“ war, die Sprachen zu lernen, und die ganzen Gesprächsanlässe, Annika kennt das sicher auch: „Ach, und was studierst du eigentlich?“ – „Evangelische Theologie.“ – „Ja, und was wird man damit? Pommes-Verkäufer? Taxi-Fahrer?“ Oder: „Ja, und wie ist das dann, darfst du dann heiraten?“ Oder: „ist doch schön, nur Sonntags arbeiten!“ Oder: „Was denkst du über den Papst?“ Oder: „Kannst du dann meine Trauung machen?“ Mit solchen Erlebnissen könnte man sicherlich so manches Buch füllen!

Mit der Zeit aber sind mir die ganzen Rahmenbedingungen des PfarrerInnenberufes klargeworden: eine 60-Stunden-Woche, die Residenzpflicht z. B., also häufiges Umziehen quer durch Bayern, gerade am Anfang. Ich hatte dann auch meine Freundin und inzwischen Frau kennengelernt und die wollte hier nicht wegziehen. Und ich? Ich wollte eigentlich hier bleiben: ich bin in Hersbruck geboren, im Hersbrucker Land groß geworden, bin hier/ in Altensittenbach zur Jungschar gegangen, wurde in Engelthal konfirmiert und bin jetzt inzwischen auch seit fast zehn Jahren in der Gemeinde (Altensittenbach) tätig. Hier ist meine Heimat, das denke ich mir nach jedem Urlaub oder wenn ich sonst länger weg bin: Hier gehöre ich hin!

Weil ich dann auch gute Kontakte hatte und später auch ein super Stellenangebot in Nürnberg bekam, habe ich mich gegen das Pfarramt entschieden und bin jetzt Ausbildungsleiter bei einer Hilfsorganisation in Nürnberg.

Aber wie ist das mit meinem Berufungserlebnis?

Naja, einerseits bin ich inzwischen Prädikant und damit zumindest theologisch – aber nicht tatsächlich! – einem Pfarrer gleichgestellt. Zwar wird mich die Kirche nicht anstellen und ich darf kein Pfarramt leiten und verdiene damit auch kein Geld – aber ich darf wie jeder andere Ordinierte auch die Sakramente verwalten, also gemäß meiner Dienstordnung das Abendmahl leiten und die Einsetzungsworte sprechen.

Aber andererseits war das auch schwierig für mich und ich musste da für mich eine Klärung finden, auch eine theologisch-geistliche Klärung. Und das habe ich auch!

Doch vorher, bevor ich Sie endgültig mit meinem Lebenslauf langweile, will ich Ihnen den Predigttext vorlesen, der sich im Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom findet, und zwar in dessen 12. Kapitel:

Lesung Röm 12, 1–8

⇒ bibelwissenschaft.de

II. Opfer des Christen als vernünftiger Gottesdienst

Paulus schreibt hier über drei Dinge, die ich mit Ihnen durchgehen möchte:

  1. Das Opfer eines Christen als vernünftiger Gottesdienst.
  2. Erneuerung und Prüfung, was Gottes Wille ist
  3. Ein Leib, aber viele Glieder, die verschiedene Gaben haben. Es ist aber keines besser als das andere!

Also, 1. Das Opfer eines Christen, das ist ein schwieriges Thema und darüber könnte man sicher mehrere Predigten schreiben. Der historische Zusammenhang ist, dass die Gemeinde in Rom ja eine heidenchristliche Gemeinde war, das heißt es war üblich, in den Tempeln der römischen Götter Tiere zu opfern; und auch im Judentum gab es diese Praxis. Nun, auf die Frage, was ein vernünftiger, christlicher Gottes-Dienst ist, also Dienst für Gott, gibt Paulus eine klare Antwort: ein lebendiges Opfer. Ein Christ, der sich Gott opfert, sein Leben übergibt, der wird nicht sterben wie ein Opfertir. Sondern er wird ein heiliges Leben führen wollen und Gott wohlgefällig sein.

Ein Christ opfert sich, indem er sich ganz Gott hingibt und alle damit verbundenen Schwierigkeiten erträgt. Für uns hier ist es aber mit keinen oder nur wenigen Problemen verbunden, offen als gläubiger Christ zu leben. Aber ich denke an andere Länder und Gesellschaften, wo praktizierende Christen nicht gern gesehen sind, wie bspw. in der Türkei, oder sogar aktiv verfolgt und mit dem Tode bedroht werden, wie z. B. in Nordkorea und islamisch geprägten Ländern.

Am christlichen Glauben häng also ein Preisschild, selbst bei uns: manchmal wird man belächelt, manchmal ausgelacht und nicht ernstgenommen. Wer Pfarrerin wird, der arbeitet ja nur am Sonntag, z.B. Ein ganz konkretes Preisschild findet man monatlich in der Lohnabrechnung oder jedes Jahr im Steuerbescheid.

Wichtig ist aber: es ist ein lebendiges Opfer, denn dieses Opfer wirkt in das Leben weiter, es hat eine sichtbare und erlebbare Wirkung, denn mit dem Dienst für Gott wird Gutes bewirkt: die Kirchensteuer finanziert z. B. die vielfältigen Angebote der Kirche; wer sich in der Gemeinde für die Jugend einsetzt oder die Kranken besucht oder in der Leitung aktiv ist oder den Gottesdienst leitet – jeder tut etwas für seine Mitmenschen in der Gemeinde indem er oder sie sich opfert und damit Gott hingibt.

Also auf den Punkt gebracht: einfach ein Tier zu opfern, damit dieses oder jenes geschehe ist unvernünftiger Gottesdienst. Vernünftiger Gottesdienst ist es, selbst das zu tun, worum man bittet, im Vertrauen auf Gott, dass er dabei ist.

Wobei ich da jetzt einen wichtigen Punkt machen muss und zwar: andersherum funktioniert es nicht! Nur, weil jemand nicht alle Schwierigkeiten auf sich nimmt, heißt das nicht, dass er weniger glauben würde! Das ist die Sicht der reformierten Christen: Wer von Gott erwählt ist, der kann spielend leicht alle Schwierigkeiten ertragen und alle göttlichen oder geistlichen Gesetze einhalten und wohlgefällig als erfolgreicher Mensch leben. Wer das nicht kann, der ist eben nicht erwählt. So funktioniert es nicht!

III. Erneuerung und Prüfung, was Gottes Wille ist

Der zweite Punkt ist die Erneuerung und die Prüfung, was Gottes Wille ist.

Im Griechischen Original steht hier „lasst euch verändern“, also: „lasst euch verändern durch die Erneuerung eures Sinnes um zu prüfen, was der Wille Gottes ist.“

Ich höre hier eine Andeutung an die Taufe. Die Taufe macht alles neu. Die Taufe stellt mich als Mensch in den Sinnzusammenhang Gottes, in seine Zusage, in seinen Machtbereich, macht mich zu einem Glied an seinem Leib.

Wenn ich getauft bin, bin ich nicht mehr „der Welt gleich“ sondern ich bin ein neuer Mensch, ein anderer Mensch, ein erneuerter Mensch. Und alles dies geschieht mit mir, ich bin da ganz passiv. Kein Mensch kann sich selbst taufen, nicht einmal Jesus hat sich selbst getauft.

Im Evangelium haben wir gehört, was nach Jesu Taufe passiert ist:

Mt 3, 16 Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. 17 Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

Die Taufe erneuert unsere Sinne und gibt uns den Heiligen Geist und macht uns zu Gottes Töchtern und Söhnen.

Und nur dieser erneuerte Sinn mit dem Heiligen Geist erlaubt es uns, herauszufinden, was Gottes Wille ist.

IV. Ein Leib, aber viele Glieder

So. Zwei Punkte haben wir:

  1. Ein Christ gibt sich hin und dient Gott indem er sich selbst für seine Mitmenschen einsetzt.
  2. Er Heilige Geist und der erneuerte Sinn erlaubt es, zu erkennen, was Gott will.

Stellt sich die Frage, was sollen wir denn tun?

Im Grunde genommen können wir das ganz knapp auf einen Satz zusammendampfen: wir sollen tun, wozu wir berufen sind. Wir gehören alle zusammen, als Christen sind wir ein Leib in Christus, durch die Taufe eingegliedert in seinen Machbereich. Und als solche sind wir alle gleich geliebte Töchter und Söhne Gottes.

Und Paulus greift hier das Bild aus dem 1. Korintherbrief auf: es ist ein Leib Christi aber viele Glieder. Nicht alle Glieder haben dieselbe Aufgabe. Der Fuß kann nicht dasselbe tun wie das Auge und das Ohr nicht wie der Mund., die Leber nicht wie der Dickdarm. Aber alle Körperteile zusammen sind der Körper und der Leib ist nur lebensfähig, wenn alle Glieder jeweils das tun, wozu sie gemacht sind.

Und das ist der Dreh in unsere Situation:

Wir alle haben ganz spezifische Eigenschaften, Begabungen, Prägungen und Erlebnisse. Ganz unterschiedlich. Keiner von uns hier ist wie der andere.

Nun sollen wir uns aber alle für Gott hingeben und ihm dienen.

Mancher kann prophetisch reden. Manche übt ein Amt aus. Mancher ist Lehrer des christlichen Glaubens. Eine andere leitet die Gemeinde. Ein anderer ist zur Ermahnung berufen. Wieder eine andere opfert von ihrem Reichtum, den sie ja nur Gottes wegen hat, einen Teil der Gemeinde, damit die Gemeinde mit dem Geld wiederum gutes tun kann. Und schließlich, mancher geht zu den kranken und pflegt und kümmert sich.

Alles das sind die Dinge, durch die ein Christ Gott dienen kann. Alles das sind die Dinge, die Gott will.

V. Schluss

  1. Ein Christ gibt sich hin und dient Gott indem er sich selbst für seine Mitmenschen einsetzt.
  2. Der Heilige Geist und der erneuerte Sinn erlaubt es, zu erkennen, was Gott will.
  3. Gott will, dass wir einander dienen, dass jeder nach seiner Begabung ihr Amt ausübt, lehrt, dass jede ermahnt, dass jeder nach seiner Begabung gibt, dass jede die Gemeinde leitet, dass jeder Barmherzigkeit tut. Dass jeder sein Bestes gibt!

Das ist nicht immer einfach. Und wie ich am Anfang angedeutet habe: Ich selbst habe damit gehadert, wie ich Gott dienen soll. Nun war das Pfarramt noch? nicht das Richtige für mich. Aber bin ich deswegen ein schlechter Christ? Nein.

Als „Samariter“ leite ich junge Menschen im Berufsleben an, lehre und ermahne sie; ich bringe Menschen bei, wie man ein Leben rettet und barmherzig ist; bin Dienstvorgesetzter für einige MitarbeiterInnen und habe ein offenes Ohr. Und ich weiß: Gott ist immer dabei! Und ich verkündige ihn!

In der Gemeinde arbeite ich hin und wieder mit Jugendlichen und ich darf ab und an predigen und den lebendigen Herrn im Abendmahl reichen.

Mit alledem glaube ich, dass ich an der richtigen Stelle bin, wo Gott mich jetzt haben will: mitten im Leben! bei Menschen, die manchmal vielleicht gar nicht mit Gott rechnen. Um auffällig unauffällig seine Gnade zu verkündigen.

Denn so diene ich Gott. Zum Lobe seiner Herrlichkeit.

Amen.


Alexander
Dozent in der Erwachsenenbildung ~ Referent ~ Theologe

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