zum Karfreitag 2022.

Am Karfreitag findet die Passionszeit ihren traurigen Höhepunkt. Nachdem Jesus das letzte Abendmahl gefeiert hat, gefangengenommen, verhört und schließlich verurteilt wurde, denken wir heute an seine Kreuzigung, an seinen Tod.

Es steht fest: Jesus ist tot.

Pause.

Als Präparand habe ich immer gedacht, Weihnachten wäre das wichtigste Fest im Christentum, schließlich wurde Jesus da ja geboren. Wahrscheinlich ging oder geht es den meisten so.

Mit der Zeit wurde mir aber immer bewusster, daß das so nicht ganz richtig ist, daß das nur der Anfang ist. Das wichtigste Fest ist Ostern, denn ohne das Osterwunder des leeren Grabes gäbe es kein Christentum. Wäre Jesus also nicht auferstanden, hätte es kein leeres Grab gegeben, wären wir nicht hier.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn der Karfreitag ist mindestens genauso wichtig. Und weil ich weiß, daß es viele Menschen gibt, die mit diesem Tag nichts anfangen können, ist mir immer wichtig, das zu betonen: Ohne den Karfreitag gibt es kein Ostern, ohne den Tod gibt es keine Auferstehung vom Tod. Punkt. / Das ist erstmal ganz logisch und vom Kopf her nachvollziehbar, glaube ich.

Wenn wir uns aber mit den Umständen der Kreuzigung befassen, dann können wir mit dem Herzen erkennen, warum der Karfreitag eigentlich unendlich wichtig und wertvoll ist; daß er uns buchstäblich vor Augen führt, worum es in unserem Glauben geht; daß er uns mit dem Herzen fühlen lässt, was Jesus für uns vollbracht hat.

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zum Gründonnerstag 2022.

Der Gründonnerstag ist ja ein etwas seltsamer Feiertag. Die Passionszeit findet in dieser Heiligen Woche eigentlich ihren Höhepunkt am Karfreitag. Und vom Karfreitag her gesehen ist diese Woche eigentlich still, andächtig, fast wie in Trauer.

Dennoch sehen Sie heute weiße Paramente, wir haben das große Gloria gesungen, die Glocken haben dazu geläutet und nach der Heiligen Beichte feiern wir gleich Heiliges Abendmahl in besonders festlicher Weise. Das ist gewissermaßen ein in der Karwoche, die doch unter dem Leiden und Sterben Jesu im Schatten liegt.

Gleichzeitig schauen wir zurück auf Weihnachten, auf Jesu Geburt. Da hat seine Begleitung für uns den Anfang genommen, da kam Gott in die Welt und zu uns und wurde wie wir — ein Mensch.

Als dann die Verhaftung durch Judas‘ Verrat schon besiegelt war, — Jesus wusste das alles schon vorher! — lud er zum Abendmahl, zum Abendmahl mit Brot und Wein, mit Leib und Blut, mit Teller und Kelch. Damit hat er eine Tradition eingesetzt, die wir bis heute leben und fortführen.

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zum 3. Advent 2021.

Was ich jetzt sage, das klingt wie ein hilfreicher Kalenderspruch oder der Titel eines Ratgeberbuches: Wir alle sind Architekten unseres Lebens. Viele Menschen sind darin regelrechte Meister, ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Das Ganze geschieht dann oft auch online im Internet auf Instagram oder Facebook oder dergleichen. Dort wird sich dann perfekt dargestellt, alle Ecken abgerundet, alle Kanten gebrochen, jede Unreinheit im Gesicht retouchiert, der ganze Lebenslauf wird aufgehübscht und möglichst perfekt dargestellt. Planänderungen, Umwege und Wendungen gelten als Makel und werden umgedeutet.

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zum 13. Sonntag nach Trinitatis 2021.

I. Incipit

Was ist der Mensch?
Er ist Gottes Ebenbild.
Erschaffer und Macher.
Herrscher und Sklave.
Vater und Mutter.
Sohn und Tochter.
Der Mensch lebt
in Beziehungen.

Wir alle leben in Beziehungen,
in guten,
in schlechten.
Und wir wollen gesehen werden.

Was ist der Mensch?
Was ist sein Wert?

Was muss ich leisten, daß ich wertvoll bin?
Reicht es?
Tue ich genug?
Werde ich wertgeschätzt?

Oder ist es wie bei Kain und Abel?
Neid.
Mißgunst.
Wie ein großer Bruder gegenüber dem kleinen?
Oder umgekehrt?
Weil er das bessere Spielzeug hat?
Die coolere Armbanduhr?
Das schnellere Auto?
Die hübschere Freundin?

Was bin ich wert?
Werde ich gesehen?

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zum 12. Sonntag nach Trinitatis 2021.

Praktisch jede Geschichte funktioniert so: Da gibt es erstens das arme, wehrlose Opfer. Denken Sie nur an Dornröschen, Rotkäppchen oder Rapunzel. Und andererseits gibt es den finsteren Bösewicht, der das Opfer bedroht: Die böse Fee, die Dornröschen verflucht; der böse Wolf, der das Rotkäppchen und seine Oma auffrißt, oder die Zauberin, die die die Tochter aus Rache für den Gartendiebstahl entführt. Und drittens ist da dann der glorreiche, strahlende Held: Der ritterliche Prinz, der Dornröschen aus dem Tiefschlaf erwecken kann; der Jäger, der Rotkäppchen und Großmutter aus dem Bauch des Wolfes befreit; und schließlich: der Königssohn, der Rapunzel aus der Wüstenei in sein Königreich rettet.

Die Bibel ist voll von solchen ähnlichen Erzählungen und gerade auch um Jesus gibt es einige Heldengeschichten. Heute geht es um die Heilung des Taubstummen, im Evangelium nach Markus, Kapitel 7, und ich lese in meiner eigenen Übersetzung:

Mk 7, 31–37 (eigene Übersetzung)

Mk 7, 31 Und wieder ging er aus dem Gebiet Tyrus durch Sidon an den See von Galiläa mitten ins Gebiet der Zehn-Stadt. 32 Und sie tragen einen Taubstummen zu ihm und bitten ihn um Hilfe, dass er ihm die Hand auflege. 33 Und er nimmt ihn vor der Menge beiseite, legt ihm seine eigenen Finger ins Ohr und berührt seine Zunge mit Spucke. 34 Und er blickt in den Himmel, stöhnt und spricht zu ihm: “Effata!”, das heißt: “Öffne dich!”. 35 Und sofort öffneten sich seine Ohren und es löste sich die Lähmung seiner Zunge und er sprach richtig. 36 Und er verbot ihnen, darüber zu sprechen. Aber je mehr er es ihnen verbot, umso viel mehr machten sie es bekannt. 37 Und über alle Maßen staunten sie und sagten: ”Er machte alles gut, er macht die Tauben hören und die Stummen reden.“

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beim Besuch eines Grabes.

Laß mich stille stehen, Herr, /
vor der Gewalt, die Du dem Tode gegeben hast /
Herr, erbarme Dich unser!

Herr, laß mich stille sein /
im Angesicht des Lebens dieses Menschen, /
der hier bestattet ist /
Er war ein geliebter Mensch /
in seinem Leben /
Er wird vermißt.

Herr, gib ihm und allen Verstorbenen die ewige Ruhe. /
Und das ewige Licht leuchte ihm. /
Laß ihn ruhen in Frieden.

Herr, laß mich stille sein /
eingedenk deines strengen Gerichts /
hoffend auf den Reichtum deines Trostes /
vertrauend auf deine umfassende Gnade.

Herr, erhalte mich in der Gemeinschaft der Heiligen /
in der Gemeinschaft des Glaubens /
in der Gemeinschaft der Liebe /
in der Gemeinschaft der Hoffnung.

Es wird gesät verweslich, /
und wird auferstehen unverweslich. /
Es wird gesät in Unehre, /
und wird auferstehen in Herrlichkeit. /
Es wird gesät in Schwachheit, /
und wird auferstehen in Kraft.

Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, /
weder Engel noch Mächte noch Gewalten, /
weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, /
weder Hohes noch Tiefes /
noch eine andere Kreatur /
mich scheiden kann von der Liebe Gottes, /
die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Herr, lehre mich bedenken, /
daß auch ich sterben muß, /
auf daß ich klug werde.

Es vergehe die Welt /
es komme Dein Reich /
Amen.

Christ ist erstanden
von der Marter alle.
Des solln wir alle froh sein;
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

Wär er nicht erstanden,
so wär die Welt vergangen.
Seit dass er erstanden ist,
so freut sich alles, was da ist.
Kyrieleis.

Halleluja,
Halleluja,
Halleluja.
Des solln wir alle froh sein;
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.


Verwendungshinweis: Trinitarisches Votum und Segen können zum Ausbau des Gebetes zu einer Andacht hin voran- bzw. dem Lied nachgestellt werden.

Hinweis: Das Gebet wurde der einfacheren Lesbarkeit halber mit dem generischen Maskulinum formuliert. Selbstverständlich sollen die entsprechenden grammatischen Formen auf das Femininum sowie den Plural angepasst werden.


Quelle: Gestaltet mit Anregung des Gebetes „vor dem Begräbnis“ von Karl-Bernhard Ritter; in: KB Ritter, Pfarrgebete, Johannes-Stauda-Verlag, Kassel: 1947, Seite 70.

zum Pfingstsonntag 2021.

Sie ist ein großes Wunder, niemand kann sie so recht erklären, warum sie da ist, wie sie sich entwickelt hat. Ich spreche von der menschlichen Sprache. Auf der Welt gibt es etwa 7000 Sprachen. Viele sind offensichtlich miteinander verwandt. Andere fallen irgendwie aus dem Raster und können nur sehr schwer auf ihre verwandtschaftlichen Beziehungen überprüft werden. Ebenso unklar ist es, warum der Mensch überhaupt spricht. Warum haben unsere Vorfahren irgendwann damit angefangen, zu sprechen? Mit dem Mund, den Lippen, den Zähnen, dem Gaumen und der Zunge Laute zu machen? Laut. Leise. In hoher Stimmlage. Oder tiefer Stimmlage. Sehr langsam und überdeutlich. Oder sehr schnell und dafür vielleicht ein wenig undeutlich.

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zu Rogate 2021.

Liebe Gemeinde,

Beten – ich finde, das ist kein einfaches Thema. Tatsächlich fiel mir die Vorbereitung dieser Predigt recht schwer. Ich weiß von mir selbst, dass es ein sensibles Thema ist. Gerade in religiösen Kreisen. Da gibt es alle Spielarten: angefangen beim Stundengebet der Kirche, sieben mal am Tag. Bis hin zum freien Beten in Gemeinschaft. Oder Zungenrede bei den Charismatikern. Und schließlich gibt es Menschen, die überhaupt nicht beten. Oder nicht mehr beten.

Ich selbst bin mit dem Beten nicht aufgewachsen. In meiner Kindheit war es nicht üblich, zu beten. Weder vor dem essen. Noch vor dem Schlafen gehen. Gebetet habe ich eigentlich nur in der Kirche, in der siebten bis zur neunten Klasse morgens oder später mit meinem Religionslehrer bzw. meiner Religionslehrerin.

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Jesus wirft keinen Schatten.

Niedergeschlagen,
mürrisch,
enttäuscht.

Nichts scheint zu klappen,
der Plan geht nicht auf,
wie es weiter geht, liegt im Dunkeln.

Was sind Konzepte geschrieben worden! – und doch ging nichts.
Was sind Pläne gemacht worden! – ganz umsonst.

Es wiegt schwer,
dieses ständige her und hin,
liegt schwer auf den Schultern.

Wie ein Schatten auf der Welt,
der endlos zu sein scheint,
wie die Wartezeit in der Arztpraxis
– ist es bald soweit?

Vielleicht wirft all das große Schatten auf uns,
finstere Schatten, die dem Lande droh’n?

Doch, wo viel Schatten ist,
ist auch viel Licht.

Dieses Licht wird an Ostern sichtbar.
Dieses Jahr vielleicht mehr als sonst.

Ich spüre:
dieses Licht kommt in unsere Welt,
macht sie hell,
es bringt uns zusammen,
lässt uns manches doch gelingen,
und es macht mir Hoffnung.

Dieses Licht hört niemals auf.
Im Gegensatz zu den Schatten,
die uns davon überzeugen wollen,
im Gegensatz zur Welt,
die uns weiß machen will,
dass es nicht besser wird.

Dieses Licht ist der Anfang vom Ende,
vom Ende.

Der Herr ist auferstanden,
er ist wahrhaftig auferstanden,
und er wirft keinen Schatten;

Christus wirft keinen Schatten mehr.
– denn er selbst ist es,
das Licht.

Amen.

zu Palmarum 2021.

Liebe Brüder und Schwestern,

ich denke gern an meine Familie und an meine Vorfahren. Überhaupt bin ich ein recht traditionsbewusster Mensch, betreibe ein klein wenig Ahnenforschung und weiß daher recht gut Bescheid über meine Familie, die zum einen Teil aus Niederbayern-Oberpfalz stammt, zum anderen Teil aus Schlesien.

Im ersten Weltkrieg, der Bruder meines Ur-Opas ist im Krieg gefallen und in Russland begraben; meine beiden Großväter wurden im zweiten Weltkrieg als Jugendlicher aus Schlesien vertrieben und haben sich in Niederbayern bzw. in der Oberpfalz ein neues Leben aufgebaut. All das hängt meiner Familie noch immer in den Knochen und ich weiß genau, dass sich das irgendwie auch bis zu mir durchzieht. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich, wenn Sie mal darüber nachdenken, wie Sie erzogen wurden und warum. Und wie Sie Ihre Kinder erziehen oder erzogen haben. Und wie schließlich Ihre Kinder Ihre Enkelkinder erziehen.

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