über das Fürbittengebet.

Fürbitten sind bereits seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil des abendländischen Messformulars und sind auch in anderen Gottesdienstordnungen fest verankert, in der byzantinischen Liturgie kommen sie in sehr ausführlicher Form vor.

Preces et Lacrimae
sunt arma huius Ecclesiae.

z.D. „Fürbitten und Tränen sind die Waffen dieser Kirche“; Inschrift an der am 16. November 1599 zerstörten evangelischen Salvatorkirche am Thalhof bei Rottenmann.

Fürbitte heißt, dass einE BeterIn für eineN andereN bei Gott um sein Eingreifen bittet. Die engagierte Fürbitte ist also auch ein Form des geistlichen Kampfes, wegen und gerade auch für die Mitmenschen. Die Praxis der Fürbitte zeigt, dass der christliche Glaube und sein Vertrauen und seine Hoffnung auf Erlösung nicht nur jedeN GläubigeN umfasst, sondern dass insbesondere das öffentliche Handeln der Kirche auch ein Dienst an der und für die Welt selbst ist.

Biblische Beispiele von Fürbitte.

Im Alten Testament war die Fürbitte zunächst Aufgabe der Propheten:

Vielleicht hört der HERR, dein Gott, die Worte des Rabschake, den sein Herr, der König von Assyrien, gesandt hat, den lebendigen Gott zu lästern, und straft die Worte, die der HERR, dein Gott, gehört hat! So tu Fürbitte für die Übriggebliebenen, die noch vorhanden sind.

Jes 37, 4

Oder geschah durch einen Repräsentanten:

Isaak aber bat den HERRN für seine Frau, denn sie war unfruchtbar. Und der HERR ließ sich erbitten, und Rebekka, seine Frau, ward schwanger.

Gen 25, 21

Auf die Fürbitte eines entsprechend „Befugten“ folgt häufig eine entsprechende Handlung JHWHs.

Im Neuen Testament sagt Jesus über die Bitte in seinem Namen:

Denn ich gehe zum Vater, und alles, worum ihr dann in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit durch den Sohn die Herrlichkeit des Vaters offenbart wird. Wenn ihr mich in meinem Namen um etwas bitten werdet, werde ich es tun.

Joh 14, 12ff.

Paulus bitte um die Fürbitte für ihn:

Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, durch unsern Herrn Jesus Christus und durch die Liebe des Geistes, dass ihr mir kämpfen helft durch eure Gebete für mich zu Gott

Röm 15,30

Inhalte des Fürbittgebetes.

Im evangelischen Gottesdienst hat sich folgende Grundstruktur der Fürbitten, früher auch Allgemeines Kirchengebet genannt, herausgebildet. Diese Struktur ist angelehnt an den Aufbau des Vaterunsers:

  1. Bitte um das Kommen des Reiches Gottes
  2. Bitte um die Ausbreitung des Evangeliums und den Dienst der Kirche
  3. Bitte für Staat und Gemeinwesen, sowie Haus und Beruf
  4. Bitte für Menschen am Rand der Gesellschaft bzw. Notleidende
  5. Bitte für die versammelte Gemeinde.

Äußere Form des Fürbittgebetes.

Von der äußeren Form her haben sich verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten entwickelt.

1. Ektenie

Die Ektenie oder das Fürbittgebet mit zwischengeschalteten Gebetsaufrufen und Antworten der Gemeinde ist eine häufige Form des Fürbittgebetes.

  • Gebetsaufforderung („Lasst uns beten!“)
  • Bitte 1: Kommen des Reiches Gottes
    • Einleitung des Gebetsrufs: „Lasst uns den Herrn anrufen:“
    • Gebetsruf der Gemeinde: „Herr, erbarme dich.“
  • Bitte 2 … Bitte 5
  • [ Eventuell Zeit für das stille Gebet der Gemeinde ]
  • Überleitung zum Vaterunser (wichtiger Hinweis für den/die MesnerIn für das Glockenläuten)
  • Vaterunser (dazu Glockenläuten)
  • „Amen.“

Der Gebetsaufruf kann auch gesungen werden oder etwa durch einen Liedvers ersetzt werden.

Diese Form des Fürbittgebetes bietet sich auch als entfaltetes Kyrie in der Eingangsliturgie an, eventuell sogar als Litanei (siehe EG 192, Luthers Deutsche Litanei). Bspw. als entfaltetes Kyrie am Karfreitag mit EG 585 („Bleibet hier, wachet mit mir“).

2. Diakonisches Gebet

Beim diakonischen Gebet betet der/die LiturgIn ein einleitendes Gebet (Lobpreis), ein „Diakon“ trägt die einzelnen Bitten vor bzw. nennt diese und der/die LiturgIn schließt mit einem Schlussgebet (Dank) ab und leitet zum Vaterunser über.

Diese Form findet neben den Preces häufig bei Schulgottesdiensten, Kasualgottesdiensten o.ä. Anwendung

  • Gebetsaufforderung („Lasst uns beten!“)
  • Einleitungsgebet durch LiturgIn
  • Einzelne Bitten
    • Gebetsrufe der Gemeinde …
  • Schlussgebet durch LiturgIn
  • Überleitung zum Vaterunser
    (wichtiger Hinweis für den/die MesnerIn für das Glockenläuten)
  • Vaterunser (dazu Glockenläuten)
  • „Amen.“

3. Preces

Mehrere Beter oder Beter-Gruppen wechseln sich mit kurzen Gebetsaufforderungen und/oder Gebetsrufen ab; die Gemeinde kann auf jede Gebetsaufforderung (wie bei der Ektenie) antworten (wie dort oder „Amen“ oder ähnlich).

Auch diese Form findet häufig bei Kasualgottesdiensten Anwendung (verschiedene Gebetsgruppen, Paten, Eltern, Angehörige, LehrerInnen, SchülerInnen…).

4. Prosphonese

Das gesamte Fürbittgebet wird von dem/der LiturgIn gegen den Altar vorgetragen, die Gemeinde antwortet mit „Amen“.

Stellung des Fürbittgebetes in der Liturgie.

Das Fürbittgebet kann an drei Stellen in der Liturgie stehen:

  1. Verbunden mit dem Kyrie in der Eingangsliturgie als entfaltetes Kyrie (dann ohne Vaterunser) oder
  2. Vor der Feier des Heiligen Abendmahles nach Predigt/ Abkündigungen (dann ohne Vaterunser) oder
  3. Vor dem Sendungs-Teil (dann mit Vaterunser).

Nützliches Material, Quellen.

  • Fürbitte im AT: https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/18749/
  • Fürbitte im NT: https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/48879/
  • Wöchentlich neu herausgegebene Fürbitten vom Kirchenamt der VELKD: https://www.velkd.de/gottesdienst/wochengebet.php
  • https://www.daskirchenjahr.de/
  • https://www.der-evangelische-gottesdienst.de/fuerbitten-fuerbittengebet-kirchengebet.htm
  • Denn du bist unser Gott: Gebete, Texte und Impulse für die Gottesdienste des Kirchenjahres. Zur neuen Perikopenordnung 2018: Gebete, Texte und Impulse; Stephan Goldschmidt; Neukirchener Verlag 2018.
Alexander
Dozent in der Erwachsenenbildung ~ Referent ~ Theologe

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.