zur Christvesper 2019.

Liebe Schwestern und Brüder,

I.

ein Kind wird geboren, mit einem großen Namen. Die Weltöffentlichkeit ist ganz gespannt, wie es heißen wird. Fotografen, Journalisten belagern das Elternhaus und hoffen auf den ersten, Reichtum bringenden Schnappschuss.
Wie wird es für dieses königliche Kind sein? Der Vater hat viel Macht, viel Einfluss, ist überall bekannt.
Es werden große Fußstapfen sein, in die das Kind tritt. Und dabei ist „Archie“ „nur“ das zweite königliche Kind von Meghan und Prinz Harry.

Wie wäre es gewesen, wenn Jesus in der heutigen Zeit geboren worden wäre? Es gäbe ein ZDF-Spezial zur Geburt des Heilands, es gäbe vielleicht Demonstrationen gegen den CO2-Vebraucht der Drei Weisen aus dem Morgenland, Protest und einen Aufschrei der besorgten Bürger, weil er Jude oder dunkelhäutig wäre, ebenso wie die Drei Weisen. Vermutlich auch hätte man bei den Hirten Alkohol oder Drogen vermutet und womöglich wegen Halluzinationen den Notarzt gerufen. Experten hätten sich geäußert, ob er wirklich der Sohn Gottes sein könne, warum er der Sohn Gottes sein müsse. Der Papst hätte das Kind besucht und wortmächtig seine Bedeutung dargelegt, es vielleicht Heilig sprechen.

Es wäre ein Spektakel geworden, mit dem Kind, Josef und Maria. Der helle Wahnsinn wäre losgebrochen. Zu unfassbar, unbegreiflich, fern von unserer Welt ist es, was über das Kind gesagt werden würde:

10b Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; 11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 12b Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. (Lk 2, 10bff)

Lesung: Hes 37, 24-28

~Der Predigttext für den heutigen Tag findet sich bei Hesekiel im 37. Kapitel:~

24 Und mein Knecht David soll ihr König sein und der einzige Hirte für sie alle. Und sie sollen wandeln in meinen Rechten und meine Gebote halten und danach tun.
25 Und sie sollen wieder in dem Lande wohnen, das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe, in dem eure Väter gewohnt haben. Sie und ihre Kinder und Kindeskinder sollen darin wohnen für immer, und mein Knecht David soll für immer ihr Fürst sein.
26 Und ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen, der soll ein ewiger Bund mit ihnen sein. Und ich will sie erhalten und mehren, und mein Heiligtum soll unter ihnen sein für immer.
27 Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein
28 damit auch die Heiden erfahren, dass ich der HERR bin, der Israel heilig macht, wenn mein Heiligtum für immer unter ihnen sein wird.

II.

Nun ist das ganze aber nicht dieser Tage wirklich passiert. Die Frage wäre ja auch gewesen, ob wir neuzeitlichen Menschen mit unserem engen und ach-so-aufgeklärten Verstand das überhaupt begriffen hätten? Ich glaube nicht, dazu aber später mehr.

Das Kind, an dessen Geburt wir heute Nacht denken sollen, ist, soviel dürfte klar sein, nicht irgendein Kind. Wir haben gehört, er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst, die Herrschaft ist auf seiner Schulter.

Jesus ist selbst göttlich und heilig. Es ist der Sohn Gottes des Vaters des Allmächtigen, dessen der im Anfang schon immer war und am Ende noch immer sein wird, des Schöpfers von Himmel und Erde. DAS sind WIRKLICH große Fußstapfen. Wer kann das schon von sich behaupten? Wer will das schon von sich behaupten?

Dieses Kind, das da geboren wird, wird der König und Hirte über alles und jeden. Wir werden seine Schafe sein, sein Volk. Er wird für die Menschen sorgen. Er wird über die Menschen herrschen. Er wird Ansprüche stellen. Aber er wird die Menschen versorgen, mit allem, was sie brauchen; er zeigt den Weg, wie es ein Hirte tut.

Ich stelle mir den Friede-Fürst, den „König aller Königreich“ gern als Kapitän vor, oder als Pilotin, Lockführer, Taxifahrerin. Und wir alle sind seine Fahrgäste. Und so wie ein Hirte seine Herde weidet, so fährt uns der Wunder-Rat mit uns zur Erlösung. Natürlich stellt er dabei Regeln auf, an die wir uns halten müssen. So wäre bei voller Fahrt aussteigen eher eine schlechte Idee. Aber alles in allem ist diese Fahrt geprägt von Fürsorge und Liebe.

Und mein Knecht David soll ihr König sein und der einzige Hirte für sie alle. Und sie sollen wandeln in meinen Rechten und meine Gebote halten und danach tun.
Hes 37, 24

III.

Dieses Fahrzeug ist natürlich die Welt, das Universum, alles von A bis O, aus der Ewigkeit in die Ewigkeit, ohne Anfang und Ende. Das ist unsere Heimat. Und darin herrscht Sicherheit.

So wie der Familienbesuch zu den Feiertagen. Töchter und Söhne fahren zu ihren Eltern heim, besuchen die Verwandten. Es wird geschmückt, geputzt, alles vorbereitet und geplant. In sein Elternhaus zu kommen, an den Ort seiner Kindheit, bei Mama und Papa, das ist was ganz Wundervolles. Geborgenheit, Sicherheit und Liebe bestimmen diese Begegnungen oder sind wenigstens der Anspruch. Durch Rituale wie das Essen von Bratwürstchen und Kartoffelsalat, die Bescherung und den Kirchenbesuch wird eine sichere Atmosphäre erzeugt.

Das ist aber alles nicht von Dauer, die Feiertage werden enden und der Alltag kehrt zurück. Neujahr vielleicht noch, aber dann geht das Hamsterrad von Vorn los.

Jesus ist in diesem Bild der fürsorgliche Papa, die wohlwollende Mutter. Im Unterschied zu der Erfahrung in diesem unseren Leben wird diese Fürsorge und Geborgenheit niemals enden.

Und sie sollen wieder in dem Lande wohnen, das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe, in dem eure Väter gewohnt haben. Sie und ihre Kinder und Kindeskinder sollen darin wohnen für immer, und mein Knecht David soll für immer ihr Fürst sein.
Hes 37, 25

IV.

Denn der Herr kommt! Christus kommt! „Seine Herrschaft [ist] groß [],“ „des Friedens [wird] kein Ende“ sein!

Der Retter, der Erlöser, der Kyrios Christos, der Gesalbte, der Messias wird die Macht übernehmen und es werden diese irdischen Widersprüche und Widrigkeiten zusammenfallen und es wird bis in Ewigkeit Frieden sein.

Dann gibt es kein Hamsterrad mehr, keine Abschiede, keine Tränen, keine Traurigkeit, keine Angst, kein Stress mehr.
Dann gibt es kein Heimkommen mehr. Vielmehr: daheim sein. Für immer.
Dann gibt es keinen Tod mehr.
Dann gibt es keinen Hunger und keinen Durst mehr.

Und ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen, der soll ein ewiger Bund mit ihnen sein. Und ich will sie erhalten und mehren, und mein Heiligtum soll unter ihnen sein für immer.
Hes 37, 26

V.

Das alles wird geschehen, wenn GOTT selbst unter uns ist.

Irdisches Leben, Angst, Traurigkeit, Einsamkeit, Gefahr, Abschiede und Tod – auf der einen Seite.

Gottes Frieden, Barmherzigkeit, in Jesus seinem Sohn, dem Ewig-Vater, dem Friede-Fürst, Ewiger Friede, Ewiges Leben – auf der anderen Seite.

Gott kommt vom Himmel auf diese Welt und lebt unter uns und er überbrückt damit den großen Abgrund zwischen uns, seinen Geschöpfen und ihm selbst.

Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein, damit auch die Heiden erfahren, dass ich der HERR bin, der Israel heilig macht, wenn mein Heiligtum für immer unter ihnen sein wird.
Hes 37, 27f.

Er ist nicht ~nur~ ein Kind. Es ist nicht nur eine eine Geburt unter vielen.

Dieses Kind ist der Heiland, der Erlöser, der Befreier!
Kyrios, der HERR!
Christos, der GESALBTE, der Messias!
Gott selbst, der auf de Erde kommt.
Zu uns.

Weil wir das brauchen.
Weil wir Erlösung brauchen.

Und DAS sind WIRKLICH große Fußstapfen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

Alexander
Dozent in der Erwachsenenbildung ~ Referent ~ Theologe

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