zum 2. Sonntag nach Trinitatis 2019

Es ist langsam kein Geheimnis mehr, es lässt sich nicht mehr abstreiten, sie lauert überall:

Werbung!
Werbung in allen Formen und Farben; auf Plakaten, in der U-Bahn, in der Fußgängerzone, im Supermarkt, im Radio, im Fernsehen, im Internet und so weiter und so fort.

"Lidl lohnt sich!"

Oft verspricht uns die Werbung besonders hohe Ersparnisse. So nach dem Motto, "hätte ich jetzt nicht 10 Packungen Kaffee gekauft, hätte ich jetzt den Mengenrabatt nicht bekommen."

"Norma – bester Markt!"

Natürlich ist jeder Markt der beste. Und auch jede Marke. Niemand würde von seinem Produkt sagen, es wäre nur das zweitbeste oder das drittbeste. Nein nein, nach der Werbung ist alles die Nummer eins. Zweiter gibt’s nicht.

"Jeden Tag besonders – einfach Aldi"

Jaja, eine einfache Welt ist sie, die Welt der Werbung.

Männer brauchen Werkzeuge und Autos und sind gern schmutzig, Jungen spielen mit Transformers, Autos und brauchen unbedingt – anders geht es nicht! – ein Duschgel oder ein Shampoo in blau. Und Frauen ist Mode wichtig und ihre Haare und die Kosmetik, Mädchen spielen mit Puppen oder an der Spielküche – alles in Rosa, versteht sich.

"Edeka, wir lieben Lebensmittel"

Ich hätte fast gesagt, kucken Sie mal in den Quelle-Katalog. Also sage ich: Kucken Sie mal ins Internet. Es gibt alles! Und für jedes Geschlecht getrennt. Mädchen-Essiggurten und Jungs-Essiggurken. Rasierer für Frauen und Rasierer für Männer (die für Männer rasieren übrigens besser, habe ich mal gehört.)

Im heutigen Predigttext geht es auch um Werbung.

"Kauft ein, ohne Geld!"
"Alles umsonst!"
"Alles andere ist wertlos!"
"Nur hier gibt es Gutes!"

Aber halt!

Was nichts kostet, ist auch nix wert?

Mal schauen.

Der Prophet Jesaja schreibt im 55. Kapitel:

Lesung: Jes 55, 1-5

Einladung zum Gnadenbunde Gottes

1 Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!
2 Warum zahlt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben.
3 Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben.
4 Siehe, ich habe ihn den Völkern zum Zeugen bestellt, zum Fürsten für sie und zum Gebieter.
5 Siehe, du wirst Heiden rufen, die du nicht kennst, und Heiden, die dich nicht kennen, werden zu dir laufen um des HERRN willen, deines Gottes, und des Heiligen Israels, der dich herrlich gemacht hat.

II. Kein Haken und keine Öse

Wo ist der Haken?

Wo ist das Kleingedruckte?

Kostenlos? Viel besser als alles andere? Nichts sättigt so gut?

Da stimmt was nicht.

Wenn wir heute in der Werbung hören: "Hier ist es besser als überall sonst." "Nirgends ist es so günstig wie hier."

Dann werden wir skeptisch.

Siehe im Internet: "Was nichts kostet, zahlen wir mit unseren Daten." Googles Dienste sind im wesentlichen kostenlos, ebenso Facebook, Instagram, Youtube und so weiter. Diese Unternehmen oder Dienste verdienen ihr Geld mit Information, mit Daten über uns, schalten dann perfekt zugeschnittene Werbung und verdienen damit ihr Geld.

Wer Werbung machen will, muss seine Zielgruppe kennen. Und deshalb sind die Daten, die wir alle im Internet, mit unserer Bankkarte, mit dem Handy erzeugen so wertvoll.

Wo also, wenn dieser Gott sagt: "bei mir gibt’s alles umsonst, alles kostenlos, und das viel besser als bei der Konkurrenz"; Wo ist der Haken?

III. Wir sitzen bereits in der Falle

Dabei hängen wir doch schon am Haken, wir sind doch schon auf die Werbung hereingefallen. Offensichtliche Werbung kann man gut identifizieren. Schleichwerbung aber ist schlecht zu erkennen, denn sie pflanzt uns unbewusst Marken und das Bedürfnis nach Produkten in den Kopf. Und ihr sind wir auf den Leim gegangen.

So passiert es schon im Kindergarten, in der Schule, auf dem Pausenhof, sogar schon im Krankenhaus, dass ganz bestimmte Firmen und Marken sukzessive etabliert werden.

"Hipp – dafür stehe ich mit meinem Namen."

Alle zwei Jahre ein neues Handy, alle paar Jahre ein neues Auto, wöchentlich neue Klamotten, am besten günstig, aus Fernost, wer die gemacht hat und was mit der Umwelt ist, egal.

Schneller höher weiter muss es sein. Immer günstiger, denn "Geiz ist geil" und jeder würde von sich sagen "ich bin doch nicht blöd."

Die Werbung hat ihr Ziel schon erreicht. Wir kaufen und kaufen, werfen immer mehr weg. Ich bin jemand, der eigentlich gern Sachen repariert, anstatt sie neuzukaufen. Aber bei vielen Dingen merke ich, dass das gar nicht mehr vorgesehen ist. Was heute hergestellt wird, seien es Handys, Autos oder Küchengeräte oder eine Waschmaschine, alles ist eigentlich mit dem Kauf schon veraltet und damit für die Tonne.

Ich kenne jemanden, der sagt, er kauft sich alle paar Jahre eine neue Waschmaschine für billiges Geld. Oder Möbel. Dabei tut es eine alte Miele noch genauso und die hält oft länger als jedes Neugerät und man kann da noch was dran machen und ihre Lebenszeit verlängern.

IV. Wie aus der Falle kommen?

Genau das ist es, was der Predigttext meint.

Wir kaufen mit unserem sauer verdientem Geld immer wieder das letzte Glump.

Das nicht hält,
das nicht trägt,
nichts taugt,
einen Grampf nach’m anderen.

In der Welt;
aber auch im geistlichen Sinn.

Wir machen uns abhängig von dem ganzen Zeug, das wir eigentlich nicht brauchen. Und Jesaja deutet an, dass all diese weltlichen Dinge, die wir mit unserem saueren Verdienst erwerben, nichts taugen und gegen Gott nicht bestehen werden.

Aber was dann?
Gott macht uns einen Gegenvorschlag und ich finde, der ist geradezu wunderbar:

"Kommt zu mir, ohne Geld, und ihr werdet Honig und Wein und Milch bekommen und gutes Brot."

Das sind, man könnte fast sagen, Grundnahrungsmittel. Milch, Honig und Brot sättigen und Wein braucht man für Feste.

Und was diese grundsästzlichen Dinge angeht, da sagt Gott:
Bei ihm gibt es kein Glump.
Bei ihm gibt es nichts, was nicht trägt und nicht taugt.

Diese Welt in der wir leben ist endlich und alles was wir tun, kaufen und leben und lieben wird irgendwann ein Ende haben.

Bei Gott aber ist das eben nicht so.

Denn er versorgt uns mit allen, was wir brauchen.

Wie die Vögel am Himmel.

V. Lösungsvorschlag: Glaube und Kirche; Schluss, Kanzelsegen

Höret, so werdet ihr leben!

Wie kommen wir also vom Haken? Ein Lösungsvorschlag:

Die Kirche kann ein Ort sein, wo wir spüren können:
Gott wird hier gegenwärtig.

Natürlich nicht nur in der verfassten Kirche, aber überall wo zwei oder drei beisammen sind, wird Gott gegenwärtig.

Und wo er im Gebet und Loblied angerufen wird, ist er mitten unter uns.

Er verschenkt sich. In Brot und Weit, im wahren und echten Leib und Blut.

Kostenlos. Umsonst. Ohne Geld.

Im Evangelium, der guten, der frohen Botschaft vom Auferstehen des Herrn, vom Sieg über den Tod, von der Erlösung die schon stattgehabt hat, die schon wirkt und ist, von der Hoffnung auf einen doppelten Boden im Leben, von der Liebe Gottes und der Gnade Jesu Christi und der Gemeinschaft des Heiligen Geistes.

Davon, dass es einen Herrn gibt über dem kein Herr ist, der alle richtet, der alles beherrscht, der Anfang und Ende des Universum ist, der größer ist als all unsere Vernunft, den wir nicht begreifen können, den wir nicht definieren können, der grenzenlos ist, der zeitlos ist, der immer da war, der immer da ist und der immer da sein wird.

Dieser große Gott nimmt uns an!

Egal ob Sünder oder Gerechter,
egal ob krank oder gesund,
egal ob alt oder jung,
stark oder schwach,
reich oder arm,
behindert oder ohne Einschränkungen,
männlich oder weiblich oder irgendwas anderes.

Dieser Gott, von dem ich rede, ist der größte, der Große, der einzige; er ist einer.

Dieser Gott ruft uns.

Zu sich.

Und er verschenkt sich.

Kostenlos.

Ohne Geld.

Umsonst.

Diese Werbebotschaft kennt keinen Haken und kein Ablaufdatum und keine Einschränkung.

Und der Friede Gottes… Amen.

Alexander
Dozent in der Erwachsenenbildung ~ Referent ~ Theologe

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